Sonntag, 10. Dezember 2017

[Storys] Fantastische Weihnachten: "Kristall der Liebe" von Rena Larf

Hallo Ihr Lieben!💗
Ich wünsche Euch einen  wunderschönen Montag, auch wenn die Straßen voller Schnee sind. Die einen freut es, die anderen hassen es. Bleibt alle gesund und kommt gut dorthin, wo ihr hin müsst!! 
Nur noch 2 Wochen bis Weihnachten. Es wird Zeit für Weihnachtliches und märchenhafte Fantasy voller Magie. 


Kristall der Liebe

© Rena Larf 

© Bilder: Pixabay






Die Luft war klar und rein, die Nacht lang und dunkel.
Eine weiche Schneedecke hatte sich vor kurzem noch über Wald und Wiesen geschmiegt. Das Blau des Nachthimmels schien seltsam erleuchtet. Heulende Winde suchten sich den Weg hinab ins Tal und glitzernde Kristalle hingen an den Zweigen der noch kahlen Bäume. Kaum jemand war im Freien. Doch wenn man in das Tal hinunterblickte, sah man einen jungen Mann durch die Nachtlandschaft ziehen. Er war nur spärlich bekleidet. Sein Haar war hellbraun und unter einer Filzmütze nach hinten gekämmt. Er trug einen schäbigen grauen Mantel, der ihm bis zu den Füßen reichte. Sein Atem gefror fast, sobald er seine Lippen verließ, und die Kälte stach unbarmherzig im Gesicht wie tausend Nadeln.
Mit vor Anstrengung gekräuselter Stirn blickte er hinauf zum Berg und dachte an den mühevollen Anstieg, der ihm bald wieder bevorstehen würde.

Er lief in das Dorf und schaute durch die Scheiben der Häuser hinter denen er lachende Familien beim Abendbrot vernahm. Ein sanftes Lächeln umspielte seine Mundwinkel und der gefrorene Schorf, der sich aus den Tropfen seiner Nase gebildet hatte, brach leicht auf.
Aus dem nahe gelegenen Tabogasee in der Mitte des Dorfes stiegen kleine Wassertropfen. Sie spiegelten sich im Licht des Mondes, wurden immer durchsichtiger und verschwanden in einer Wolke.
Der alte Magier aus der anderen Welt hatte ihm erzählt, dies seien Herzenssterne. Er dürfe sich etwas wünschen, wenn er auf  seiner Mission ihrer angesichtig würde, hatte er erklärt.
Der junge Mann seufzte leise.

Es war noch keine Erdenstunde her, dass er durch das magische Tor der Wende oben auf dem eisigen Berg gelandet war. Der Magier hatte diesen Zugang zur Erde mit letzter Kraft geschaffen und ihm den Auftrag gegeben, den Kristall der Liebe zu finden, damit ihr Sternensystem nicht vom Machtbesessenen Zauberer Malochey zerstört werden würde. Dann war er gestorben.
Zuvor hatte er dem Prinzen der Galaxie ein Schutzamulett überreicht, das er gut unter seinem langen Mantel verstecken sollte. Bei der Rückkehr durch das magische Wendentor würde dieses Amulett der Schlüssel sein, der ihn vor Malocheys bösen Zauber schützen sollte.
Im Angesicht der Herzenssterne wünschte sich der Prinz jemanden, den er nach dem Kristall der Liebe fragen könnte. Wie aus dem Nichts erschien eine alte Frau. Kaum bekleidet und zitternd vor Kälte stand sie da, in eine Mauernische gedrückt. 
„Kannst du mir helfen?“, fragte der Prinz. „Ich suche den Kristall der Liebe! Ihr Menschen habt doch vor kurzem erst das Fest der Liebe gefeiert. Er muss hier irgendwo sein. Kennst du den Weg?“
„Den suchen wir wohl alle, junger Mann“, krächzte die alte Frau mit heiserer Stimme. „Ich habe ihn in meinem Leben noch nicht gefunden. Ich glaube, es gibt ihn gar nicht.“
Ihr altes, runzeliges Gesicht schien, wie zu einer wächsernen Maske erstarrt. Das einzig Lebendige darin, waren ihre Augen. Sie strahlten in einem jugendlichen Leuchten, wie die Glitzersterne, die er aus seiner Galaxie kannte. Der Prinz hatte Mitleid mit der alten Frau.
Er überlegte kurz, gab ihr seinen Mantel und sagte: „ Du hast ja kaum was an. Jetzt wirst du nicht mehr so sehr frieren!“ Er machte sich wieder auf den Weg, vor Kälte zitternd in seinem dünnen Wams, aber bestärkt von dem Gedanken, seine Mission zu erfüllen und den Kristall der Liebe zu finden. Seine Hand schloss sich fest um das Amulett, das kalt auf seiner Haut lag. Die Zeit wurde knapp, denn mit jeder Minute hier auf der Erde, in der er ergebnislos suchte, wurde die Macht des Zauberers Malochey größer und sein Sternensystem drohte, in der Finsternis des Bösen zu versinken.
Der Prinz entschloss sich, an den Türen der Häuser zu klopfen und nach dem Weg zu fragen. Die Menschen mussten doch wissen, wo der Kristall zu finden war, sonst würden sie doch nicht so liebevoll dieses Fest begehen. Doch immer wieder wurde er barsch abgewiesen und davon gejagt. Niemand wollte etwas wissen von seiner Not. Der Prinz war verzweifelt.
Er setzte sich an den Steg des Tabogasees und sah traurig auf das Wasser, das an vielen Stellen noch gefroren war. Es wurde kälter. Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel und der eisige Wind bohrte sich tief in die Haut des Prinzen.
„Du darfst hier nicht sitzen bleiben“, sagte eine wohl klingende Stimme hinter ihm und eine Hand legte sich sanft auf seine zitternde Schulter. „Du wirst erfrieren, wenn du dich nicht bewegst. Hast du denn kein Zuhause? Deine Leute warten doch bestimmt schon auf dich.“
Der Prinz sah erstaunt auf und in ein fein geschnittenes Gesicht.
„Wer bist du?“, stammelte er.
„Ich bin die gute Fee der Liebe “, kam die lächelnde Antwort. Die Gestalt ließ sich sachte neben dem Prinzen auf dem Steg nieder.
„Dann kannst du mir bestimmt helfen. Ich bin auf der Suche nach dem Kristall der Liebe. Überall werde ich nur abgewiesen an den Häusern der Menschen. Sie sind alle gefühllos und kalt, fast so kalt wie diese schreckliche Nacht!“ Die Fee schmunzelte leicht.  „Sei nicht so hart mit ihnen. Die meisten Menschen erkennen mich nicht einmal, wenn sie mich sehen. Wie sollten sie dir dann den Weg zum Kristall der Liebe weisen können?“ Der Prinz war erstaunt über so viel Nüchternheit in ihrer Stimme und schaute sie fragend an. Sie wirkte unirdisch schön und ihre blonden Korkenzieherlocken umrahmten ihr zartes Feengesicht. Noch nie hatte er ein derartiges Lächeln gesehen. Ihre weißen Zähne blitzten zwischen blassrosa Lippen und die moosgrünen Augen, eingerahmt von endlos langen Wimpern, strahlten ihn warm und voller Liebe an. Sie leuchteten wie die Glitzersterne, die er kannte und wie die Augen der alten Frau, der er seinen Mantel geschenkt hatte. Für einen Moment vergaß er seine Mission, den bösen Zauberer Malochey und den bevorstehenden Untergang seiner Galaxie.





Der Ruf einer Schneeeule, die mit weit ausgebreiteten Schwingen über den Tabogasee segelte, riss ihn zurück in die Wirklichkeit. Er blickte neben sich und musste mit Erstaunen feststellen, dass der Platz neben ihm leer war. Dafür setzte sich unweit von ihm die Schneeeule auf das Geländer des Steges und starrte ihn an. Der Prinz stand auf. Er rieb seine Oberarme und seine Schenkel, um seine Körpertemperatur wieder zu erhöhen.
Nein, dachte er, ich darf nicht erfrieren! Die Eule beobachtete jede seiner Bewegungen mit ihren kleinen, gelben Augen. Ihr schwarzer Schnabel war fast völlig von weißen Federn bedeckt und kaum zu erkennen. Aber ihre Eleganz beeindruckte den Prinzen sehr. Es war ungewöhnlich, sie hier anzutreffen.
Er wusste, diese Vögel lebten in den nördlichsten Regionen, nahe dem Polarkreis der Erde, wo während der meisten Zeit des Jahres eine dicke Schneeschicht lag.
Die Eule öffnete leicht ihren Schnabel. Irgendetwas fiel daraus polternd auf den Steg. Das Tier hob den Kopf, sah den Prinzen mit einem tiefgründigen Blick an und schwebte wunderbar leicht durch die Lüfte davon, in die höher gelegenen Regionen der Bergwelt, aus welcher der Prinz gekommen war. Dieser ging langsam über den Holzsteg zu der Stelle, von der das Geräusch gekommen war. Er bückte sich und entdeckte staunend einen Kristall, so groß wie seine geschlossene Faust. In ihm brannte ein majestätisches Leuchtfeuer mit wunderbar grellen Wirbeln, die zauberhaft schön schimmerten und glitzerten. Der Prinz mochte den Kristall kaum anfassen, denn er wirkte sehr zerbrechlich. Als er ihn dann mit seiner Hand umschloss, erstrahlte der Kristall wie eine Feuerkugel. Glühendheiß wurde das seltsame Gebilde. Schmerzerfüllt ließ es der Prinz fallen und musste hilflos zusehen, wie der Kristall vom Steg in den Tabogasee sprang. In einem einzigen Augenblick brachte sein Feuer die Reste der gefrorenen Decke zum Schmelzen. Der Himmel färbte sich und leuchtete purpurrot. Die Menschen kamen aus ihren Häusern gelaufen, lachten und tanzten, umarmten sich gegenseitig und feierten gemeinsam ein neues, wahrhaftiges Fest der Liebe. Da wusste der Prinz, dass er in dieser finsteren, kalten Nacht für einen einzigen kurzen Moment den Liebeskristall in der Hand gehalten und den Menschen auf der Erde den Blick für die Schönheit dieses Gefühls zurückgegeben hatte.





Dennoch war er traurig, weil seine Mission gescheitert war und er den Kristall verloren hatte. Damit war seine Galaxie dem Zauberer Malochey auf Gedeih und Verderb ausgeliefert!
Der Prinz schaute nachdenklich auf seine Hand. Ganz deutlich war der Abdruck des Kristalls der Liebe in seiner Handfläche zu sehen.
Im gleichen Moment erschienen am gegenüberliegenden Ufer des Sees die runzlige alte Frau, die Fee und die weiße Schneeeule. Alle drei lächelten ihm zu, und ehe er es sich versah, verschmolzen die drei Gestalten zu einer Einheit aus weißem Licht. Der Prinz verstand diese ihm fremde Welt nicht mehr.

Das Lichtwesen schwebte über den See auf ihn zu und sprach: „Du hattest eine Mission, die dich hierher geführt hat. Aber deine Aufgabe war es auch, mit mutigem und reinem Herzen die Menschen zu retten und ihnen ihre Liebe füreinander zurückzugeben.“
„Und was passiert mit meinem Stern? Ist der Magier umsonst gestorben und vernichtet Malochey alles, was ich liebe?“ Kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen, befand er sich wieder auf dem höchsten Gipfel der Bergwelt vor dem großen Wendentor, durch das er auf die Erde gekommen war. Das Lichtwesen schwebte neben ihm. „Leg’ deine Hand mit dem Abdruck an das Tor.“ Der Prinz tat wie ihm geheißen. Der Abdruck verwandelte sich in den Kristall, der ihm in den See gefallen war. Das Lichtwesen verwandelte sich zu einer wunderschönen Frau, die ihn durch den blauen Wirbel des Wendentores hindurch in sein Sternensystem begleitete. Das Schutzamulett tat seine Wirkung. Der böse Zauberer Malochey verschwand in einem Himmel voller strahlender Augensterne.


Seine dunkle Macht war gebrochen – durch die Kraft der Liebe. 



Wir alle sind durch eine Tür in eine andere Welt gegangen. Weihnachten ist die Zeit der Magie, der Liebe und der ganz großen Gefühle!

Eure Rena

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