Donnerstag, 28. September 2017

[LiteraTOUR] Herbst mit Blättern, Busch, Rilke & Rena

Guten Morgen Ihr Lieben!

Der Herbst lädt zum Lesen ein. Ich weiß, dass einige von meinen Lesern, sich sehr für Lyrik begeistern können. Jetzt beginnen die gemütlichen Tage des Jahres, wir lümmeln eingekuschelt rum auf dem Schmökersofa und genießen diese Zeit! 

Dafür habe ich zur Einstimmung ein paar schöne Herbstgedichte für Euch und sie mit wunderbaren Bildern von Pixabay "untermalt".... 






Herbsttag
Rainer Maria Rilke

HERR: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.






Keine Wolke stille hält
Max Dauthendey

Keine Wolke stille hält,

Wolken fliehn wie weiße Reiher;
keinen Weg kennt ihre Welt,
und der Wind, der ist ihr Freier.

Wind, der singt von fernen Meilen,

springt und kann die Lust nicht lassen,
einer Landstraß' nachzueilen,
Menschen um den Hals zu fassen.

Und das Herz singt auf zum Reigen,

schweigen kann nicht mehr die Brust;
Menschen werden wie die Geigen,
Geigen singen unbewusst.



  




Wilhelm Busch
Im Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen, 

Der Herbst, der reiche, zog ins Land. 
Nun weben all die guten Spinnen 
so manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier 

mit kunstgeübtem Hinterbein 
ganz allerliebste Elfenschleier 
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.







Blätter
Rainer Maria Rilke

Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.






Dies ist ein Herbsttag
Christian Friedrich Hebbel

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.






Verklärter Herbst
Georg Trakl

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
Das geht in Ruh und Schweigen unter.






Herbstlied 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Der Frühling hat es angefangen,
Der Sommer hat's vollbracht.
Seht, wie mit seinen roten Wangen 
So mancher Apfel lacht!

Es kommt der Herbst mit reicher Gabe,
Er teilt sie fröhlich aus,
Und geht dann, wie am Bettelstabe
Ein armer Mann, nach Haus.

Voll sind die Speicher nun und Gaden,
Dass nichts uns mehr gebricht.
Wir wollen ihn zu Gaste laden,
Er aber will es nicht.

Er will uns ohne Dank erfreuen,
Kommt immer wieder her:
Lasst uns das Gute drum erneuen,
Dann sind wir gut wie er. 






Spätherbst 

Theodor Fontane

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht -
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.




Und wenn wir aus dem Spätherbst hinausgehen 
in den 4. Jahresabschnitt:




Novemberseele
Rena Larf

Ich fühle mich wie ein Eisengel.

Stille in mir,
wie ein Abschied von Vergangenheit,
vergangener Zeit.
Die Schwingen verwoben zu einem
Lebewohl.
Das Herz kommt zur Ruhe.
Das Blätterbunt
verstummt zu Braun und Fahl.
Und der Hoffnungsschimmer
der Zuversicht
wird schlafen gehen.
Einen Winter lang.





Ich wünsche Euch einen stimmungsvollen Start in den Freitag und ein schönes Herbstwochenende!


Eure Rena 

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