Donnerstag, 11. August 2016

[Rena Larf] Warum gibt es Krieg, Mama?

Guten Morgen ihr Lieben!
Heute mit einem ernsten Thema, das mich immer mehr beschäftigt und mir als Frau und Mutter Angst macht. 
Wenn in Aleppo Fassbomben auf Kinder geworfen werden, wenn an der Grenze zur russisch annektierten Krim und zur Ostukraine Truppen in Kampfbereitschaft versetzt werden, - wenn der Terror als Waffe des Glaubens in den Krieg zieht. Steht unsere Welt näher denn je vor einem Abgrund?

Eine Story von mir, die ich im Jahre 2010 geschrieben habe ist heute wieder aktueller denn je:


Warum gibt es Krieg, Mama?
Mein Sohn Alexander kam zu mir und fragte, warum ständig Krieg wäre und warum es keinen Frieden gäbe und sich Menschen einfach gegenseitig umbringen.
Ich sagte ihm: „Frieden wird es dann geben, wenn die Menschen ihre eigene Dummheit einsehen.“
„Und wann wird das sein?“
Ich musste nicht lange überlegen und antwortete: „Nie.“
Aber ich fühlte mich unendlich schlecht bei dieser Antwort, wusste jedoch auch, dass ich meinem Sohn keine Lüge auftischen durfte. Vielleicht würde er irgendwann in einen sinnlosen Krieg ziehen müssen für ein ebenso sinnloses Ziel, das an einem grünen Tisch beschlossen wurde und das mit Menschenleben aufgewogen werden würde.
Könnte ich ihm dann helfen? Ich würde alles tun, um ihn davor zu bewahren!
Worte wie „Kanonenfutter“ kamen mir in den Sinn. Geschichten meines Großvaters, den die Gestapo beinahe mitgenommen hatte, weil er die Waffe eines Försters repariert hatte. Seine Erlebnisse in der deutschen Besatzungszeit Frankreichs 1943. Geschichten aus Russland, als meinem Vater rechtzeitig ein Kanonensplitter vor Stalingrad einen Zeh weggeschmettert hatte. Sonst würde es uns heute alle gar nicht geben.
„Aber wenn man dumm ist, kann man doch zur Schule gehen und was lernen, Mama.“
Alexander schaute mich an und runzelte nachdenklich die kleine Stirn.
„Um in Frieden leben zu können ist es wichtig, den anderen Menschen so zu akzeptieren wie er ist und man muss bereit sein, ihn verstehen zu wollen. Das kann man auch in der Schule lernen, wenn man gute Lehrer hat“, antwortete ich leise.
„Mama, ich kenne das Wort. Es heißt ‚Toleranz’!“ Ich nickte Alexander lächelnd zu und wünschte mir, dass die großen Bosse dieser Welt das Wort auch genauso gut kannten wie mein 11jähriger Sohn.
„Toleranz ist das Wichtigste, was wir euch Kindern mitgeben können. Nur was man von Klein auf an vorgelebt und erklärt bekommt, kann man als Erwachsener später auch umsetzen!“
„Haben die Erwachsenen das denn alle nicht gelernt, als sie klein waren? Warum will immer einer stärker sein als der andere?“
„Alexander, das ist eine gute Frage. Das liegt wohl in der Natur des Menschen. Ich bin nicht der Meinung, dass Frieden mit Zwang zu tun hat, indem der Schwächere dem Stärkeren unterliegt und nachgibt. Frieden hat mit Freiheit der Entscheidung zu tun.“
„Wie meinst du das, Mama?“
„Na, mit der Freiheit ‚Nein’ zu sagen. Nein, ich will keinen Krieg. Krieg ist ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“
„Wer ist der Gegner?“, wollte Alexander wissen.
„Andere Länder, andere Parteien, deine Mitmenschen. Denke nur mal allein daran, wie viel Gewalt es in den Schulen gibt. Das ist auch schon eine Art von Krieg.“
„Warum tun die Politiker denn nichts dagegen und reden miteinander?“
„Schwache Parteien, schwache Regierungen, Alex. Das gab es immer wieder in der Geschichte. Aus unserer Geschichte können wir lernen.“
„Ja, das mit Hitler meinst du, nicht wahr?“
„Auch das, ja. Sicher. Es ist wichtig, dass wir wissen, was in der Vergangenheit war und aus was wir hervorgegangen sind. Welche Qualen für unsere Freiheiten durchgestanden wurden. Ja, wir alle reden so selbstverständlich von unserer Freiheit, ohne zu wissen, was sie wirklich bedeutet. Viele Menschen mussten dafür sterben – auf beiden Seiten!“


„Gibt es einen gerechten Krieg, Mama?“, wollte Alexander wissen. „Wenn einer mir meine Freiheit nimmt, muss ich mich da nicht wehren dürfen?“
„Kriege können niemals gerecht sein, weil es immer Verlierer gibt, die im Zweifel mit dem Wertvollsten zahlen, was sie haben – mit ihrem Leben. Ja, du darfst dich wehren dürfen, aber du musst die Mittel, die du einsetzt so wählen, dass niemand sterben muss.“
Alexander grübelte.
„Das ist aber schwer, Mama“, meinte er seufzend.
„Frieden, mein Sohn“, sagte ich, „Den musst du vor allen Dingen in dir selber tragen. Hier drin.“ Und ich tippte ihm an seine kleine Brust. „Alle Möglichkeiten dieser Welt liegen in deinen Händen. Wenn du sie verändern kannst und willst, verändere sie zum Guten. Bemühe dich, auch wenn das Böse anscheinend Überhand gewinnt. Wenn du aufgibst, für Freiheiten einzustehen, ist der Frieden und damit die Welt verloren. Solange du da bist und viele andere Menschen, die so denken, hat Frieden eine Chance!“
Heute ist Alex neunzehn.
Und muss zur Musterung.

Ich wünsche Euch einen friedlichen Tag in Freiheit und Frieden!
Eure Rena

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen