Samstag, 13. Oktober 2012

Kommentar von Rena Larf zum Friedensnobelpreis 2012


Der Friesensnobelpreis schafft neue Motivation und Einigkeit

Kommentar von Rena Larf
12.10.2012
Als Europäer sollten wir stolz sein auf den historischen Erfolg von 60 Jahren Frieden auf unserem Kontinent. Sollten wir? Ja, denn wir leben noch. Das ist nicht selbstverständlich. Fragen wir mal unsere Eltern und Großeltern sofern sie noch unter uns weilen.
Wir tragen eine blütenweiße, friedliche Weste, - abgesehen von einem kleinen Schnitzer in der Geschichte Jugoslawiens, den wir Europäer ja schon längst wieder vergessen haben, weil es Jugoslawien ja gar nicht mehr gibt.
Die Auszeichnung aus Norwegen, das bekanntermaßen nicht zur EU gehört, ist ein Zeichen zur rechten Zeit in der Krise. Denn es lenkt ein bisschen ab von Währungsstreit und Schuldenhaftung, von Herabstufungen ganzer EU-Länder durch Ratingagenturen (wer hat eigentlich die Macht?) und von brennenden Hakenkreuzflaggen bei Angela Merkels jüngstem Athen-Besuch.
Der Friedensnobelpreis schafft neue Motivation und Einigkeit in einer Staatenunion die dieser Tage eher geprägt ist von Untergangsstimmung und zurückkehrendem, verstärkten Nationalismus und in dem nur noch wenige Europäer an den ganz großen Gedanken der Einigung glauben.
Dass sich deutsche Politiker freuen und in Schwärmerei ob des Geleisteten verfallen ist verständlich. Denn auch das lenkt ab. Von der eigenen Schwäche und Rückgratlosigkeit, von den eigenen ungelösten Problemen im Land und vom aufkeimenden Nationalismus in Deutschland.
Denn wer will den schon? Die Engländer, die Franzosen, die Amerikaner? Wer es heute wagt, sich als stolzer Deutscher zu fühlen, auch weil Deutschland einer der treibenden Motoren für die europäische Integration war und ist, dem weht ein knallharter Wind entgegen, der auf der Geschichte unserer Nation basiert. Immer noch.
Die Überwindung des nationalstaatlichen Denkens, der stärkere politische Einfluss in einer globalisierten Welt der damit einhergeht und für dauerhaften Frieden innerhalb Europas sorgt, den empfindet der ‚kleine Mann‘ allerdings auf der Straße heute nicht mehr. Die Angst vor Krieg wächst angesichts der Krisenherde ganz nah um uns herum; ebenso die Angst um das Ersparte - in Euro natürlich - , den es vielleicht im nächsten oder übernächsten Jahr gar nicht mehr gibt. Und was dann?
Da ist es doch schön, dass man sich jetzt zumindest als stolzer Europäer fühlen kann, als Teil eines ‚ausgezeichneten‘ Ganzen, für den meines Erachtens nach, diese Auszeichnung zu spät kommt. Freuen wir uns trotzdem! Sehen wir den Friedensnobelpreis 2012 als Auszeichnung für das Volk in Europa und nicht als Auszeichnung von gesichtsloser Politik.
Und auch wenn der Euro die Gräben zwischen den Nationen mittlerweile drastisch vertieft hat und das unbelehrbare Großbritannien an den Austritt aus der EU denkt, (haben die jemals richtig dazu gehört?) lassen wir mit Enthusiasmus unsere Visitenkarten neu drucken und tragen selbstbewusst an den Schluss unseres Lebenslaufes ein: „2012 – ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis.“
Vielleicht öffnet das für Deutsche in der Europäischen Union ja Türen und Tore in London und Athen.